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Partnersuche: Raus aus der Sackgasse und den Kompass neu ausrichten

Irgendwann kommt bei fast allen der Moment, in dem die Partnersuche sich anfühlt wie ein Hamsterrad. Man öffnet die App aus Gewohnheit, scrollt lustlos, schreibt drei Nachrichten, bekommt eine Antwort, und die ist «hoi». Bei mir war das im Winter 2019. Ich war kurz davor, alles zu löschen. Stattdessen habe ich ein paar Dinge geändert, und die möchte ich Dir hier weitergeben.

  Woran Du merkst, dass Du festgefahren bist

Eine Sackgasse kündigt sich selten laut an. Eher so: Du liest Profile nicht mehr, Du überfliegst sie. Du antwortest auf Nachrichten mit dem gleichen Satz, den Du schon dreissig Mal geschrieben hast. Du gehst zu einem Treffen und merkst nach zwei Minuten, dass Du innerlich schon eine Absage formulierst. Oder Du hast seit Wochen gar kein Treffen mehr gehabt und weisst eigentlich nicht mehr genau, wofür Du noch dabei bist.

Das hat einen Namen, Dating-Müdigkeit oder Swipe-Müdigkeit, und ist völlig normal. Es heisst nicht, dass mit Dir etwas nicht stimmt. Es heisst nur, dass Deine aktuelle Methode nicht mehr funktioniert.

  Warum Du immer die gleichen Gesichter siehst

Eine häufige Klage: «Auf jeder Seite sehe ich dieselben Leute.» Das ist keine Einbildung. Und es liegt nicht nur daran, dass die Schweiz klein ist.

Sechs der sieben Plattformen, die wir auf Look & Love vergleichen, werden von derselben Firma betrieben, der be2 S.à.r.l. in Luxemburg. Laut ihren AGB greifen diese Marken teilweise auf eine gemeinsame Profildatenbank zu. Wer sich also bei be2, Zusammen.ch und VerliebtAb40 gleichzeitig anmeldet, fischt zum Teil im selben Teich, nur mit drei verschiedenen Ruten (und drei Abos). Dass Dir der gleiche Thomas aus Uster auf mehreren Seiten begegnet, ist also ganz logisch.

Die Konsequenz daraus ist unbequem, aber hilfreich: Mehr Plattformen bedeuten nicht automatisch mehr Menschen. Oft bedeuten sie nur mehr Rechnungen.

  Erst mal: eine echte Pause

Klingt paradox, ist aber der wichtigste Schritt. Zwei, drei Wochen ohne Dating. Nicht als Strafe, sondern damit Du wieder Lust bekommst. In meiner Pause 2019 habe ich mit meinem Sohn Noah (damals elf und gnadenlos ehrlich) ein Puzzle mit 1000 Teilen gemacht, bin viel spaziert und habe gemerkt, dass ich eigentlich gar nicht so ungern allein bin. Das hat mir in den späteren Chats eine Gelassenheit gegeben, die ich vorher nicht hatte.

Ein praktischer Hinweis dazu: Ein Profil zu löschen oder die App zu deinstallieren beendet kein laufendes Abo. Wenn Du pausierst und nicht weiterbezahlen willst, musst Du fristgerecht kündigen (bei den Seiten der be2-Gruppe spätestens 14 Tage vor Ablauf der Laufzeit). Sonst verlängert sich das Abo um die gleiche Dauer, und Deine Pause wird teuer.

  Das Profil neu schreiben, nicht nur umstellen

Nach der Pause lohnt sich ein ehrlicher Blick auf das eigene Profil. Nicht zwei Wörter austauschen, sondern neu anfangen. Mein erstes Profil war, freundlich formuliert, ausführlich. Es las sich wie ein Lebenslauf mit Anhang. Eine Freundin hat es damals ausgedruckt: zwei Seiten. Kein Wunder, hat niemand bis zum Ende gelesen.

Was mir beim Neuschreiben geholfen hat:

  • Schreib so, wie Du redest. Wenn Du nie «lebensfroh» sagst, schreib es auch nicht.
  • Lieber zwei konkrete Dinge als zehn allgemeine. «Ich backe sonntags Zopf und er gelingt nur jedes zweite Mal» sagt mehr als «Ich koche gerne».
  • Schreib auch, was Du suchst, und zwar ehrlich. Wer eine feste Beziehung will, darf das sagen.
  • Lass jemanden gegenlesen, der Dich gut kennt und nicht zu höflich ist.
Spaziergang am See

Und die Fotos

Mein Hauptfoto zeigte mich damals auf der Piste in Flims: Skibrille, Helm, Schal bis zur Nase. Ich fand es sportlich. Eine Kollegin fragte trocken, ob ich im Zeugenschutzprogramm sei. Seither gilt für mich: Auf dem ersten Foto muss man das Gesicht sehen, bei Tageslicht, mit einem echten Lächeln. Dazu zwei oder drei Bilder, die etwas von Deinem Leben wiederspiegeln, beim Wandern, beim Kochen, mit einem Buch am See.

Übrigens: Auf den be2-Plattformen sehen Premium-Mitglieder Fotos nur, wenn sie selbst eines hochgeladen haben. Ohne Foto bleibst Du für viele also schlicht unsichtbar, und siehst selbst nichts.

  Plattform wechseln statt dazunehmen

Wenn Du nach Pause und neuem Profil immer noch das Gefühl hast, am falschen Ort zu sein, dann wechsle. Aber gezielt, nach Zielgruppe, nicht nach dem Motto «je mehr, desto besser». Die Frage ist nicht «Wo gibt es am meisten Profile?», sondern «Wo sind Menschen, die das suchen, was ich suche, in meinem Alter und mit einem Ton, der mir liegt?»

Ein paar Beispiele: Wer über 50 ist und sich auf einer Seite mit vielen Dreissigjährigen verloren fühlt, ist auf Zusammen.ch wahrscheinlich besser aufgehoben. Wem Bildung und Gesprächsniveau wichtig sind, schaut sich Academic Singles an. Und wer ehrlicherweise merkt, dass er gerade keine Beziehung will, ist bei C-Date richtiger als auf einer Seite, wo alle das Gegenteil suchen. Eine Übersicht nach Alter und Absicht findest Du im Artikel Wo sind die Männer, wo sind die Frauen?

  Mein Neustart-Plan in sechs Schritten

  1. Zwei bis drei Wochen Pause. Laufende Abos prüfen und, falls nötig, rechtzeitig kündigen.
  2. Aufschreiben, was Du wirklich suchst: Alter, Region, Art von Beziehung, zwei oder drei Dinge, die Dir wichtig sind. Nicht mehr.
  3. Profiltext neu schreiben, kurz, konkret, in Deiner Sprache. Gegenlesen lassen.
  4. Neue Fotos machen lassen, erstes Bild mit Gesicht und Tageslicht.
  5. Eine einzige Plattform auswählen, die zu Deinem Ziel passt. Filter etwas weiter stellen als vorher, vor allem beim Alter und bei der Distanz.
  6. Nach ein paar Tagen Chat einen Videoanruf oder ein kurzes Treffen vorschlagen, statt wochenlang zu schreiben. Wie das geht, steht in meinen drei Regeln für gute Kommunikation.

Ich will nicht behaupten, dass mit diesen sechs Schritten alles klappt. Aber bei mir hat sich danach etwas verändert: weniger Nachrichten, bessere Gespräche, mehr Treffen, auf die ich mich gefreut habe. Und irgendwann dann eines, das geblieben ist.

 

 
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